Erich-Mühsam-Gesellschaft e.V.
Buddenbrookhaus, Mengstraße 4, D-23552 Lübeck


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Auf dieser Seite veröffentlichen wir Hinweise zu eigenen Veranstaltungen oder zu Veranstaltungen anderer Gruppen/Vereine/Einzelpersonen, die in einem engem Zusammenhang zu Erich Mühsam stehen.
Veranstaltungshinweise senden Sie bitte an: post@erich-muehsam-gesellschaft.de


Ältere Veranstaltungshinweise finden sie im Archiv












Einladung zur Ausstellung „Baby, I‘m an Anarchist“

von Nadine Scherer im Haus der Jugend Zehlendorf



Anarchie, Chaos, Randale – nicht selten werden diese Begriffe wie selbstverständlich aneinandergereiht. Doch was bedeutet eigentlich
Anarchie? Ist Anarchismus wirklich eine politische Theorie, die für nichts anderes als Chaos und Unordnung steht? Oder ist das
vielleicht nur ein großes Missverständnis? Die Berliner Kommunikationsdesignerin Nadine Scherer gewährt mit ihrer mobil konzipierten
Ausstellung „Baby, I‘m an Anarchist“ Einblicke in die vielfältigen Facetten von Anarchie und Anarchismus und lässt dabei
unterschiedlichste Protagonisten der Anarchismusszene zu Wort kommen.

„Baby, I‘m an Anarchist“ ist vom 5. Oktober bis 8. November 2018 im Haus der Jugend Zehlendorf zu sehen.


Die Eröffnungsveranstaltung mit Vorträgen über anarchistische Theorie und Geschichte von Philippe Kellermann, Herausgeber der
Zeitschrift „Ne znam – Zeitschrift für Anarchismusforschung“, und über den Spanischen Bürgerkrieg von Carolina Böhm,
Stadträtin für Jugend und Gesundheit, findet am 5. Oktober um 19.30 Uhr statt. Der Eintritt ist kostenlos.


Die Ausstellung kann bis 8. November zu den regulären Öffnungszeiten des Hauses der Jugend Zehlendorf besichtigt werden.
Bei Gruppenbesuchen wird um eine telefonische Anmeldung im Haus der Jugend gebeten: 0 30/80 90 99 13


Datum der Eröffnung:

5. Oktober 2018. 19.30 Uhr


Dauer der Ausstellung:

5. Oktober - 8. November 2018


Ort:

Haus der Jugend Zehlendorf

Argentinische Allee 28

14163 Berlin


Ansprechpartner:

Alexander Skoczowsky, Nadine Scherer


Information:

Haus der Jugend/Alexander Skoczowsky: 0 30/80 90 99 13

Nadine Scherer: imananarchist@freenet.de


Öffnungszeiten der Ausstellung:

Mo von 15-21 Uhr

Di-Fr von 16-22 Uhr


Eintritt: frei




Mitgliederbrief Juni 2018


Liebe Mitglieder der Erich-Mühsam-Gesellschaft,

was lange währt wird endlich gut – der Tagungsband der Jahrestagung ist fertig! Es war diesmal etwas schwierig, die Manuskripte einiger Referentinnen und Referenten zu bekommen. Aber nun liegt die Schrift Nr. 44 der Erich-Mühsam-Gesellschaft vor. Wir wünschen viel Freude bei der Lektüre! Nachbestellungen sind ebenfalls willkommen und gewünscht!

Gleichzeitig laden wir ein zur Jahrestagung 2018 der Erich-Mühsam-Gesellschaft e.V. , die in diesem Jahr vom 31.8. - 2.9.2018 im Theodor-Schwartz-Haus in Lübeck/Brodten unter dem Titel „Die Waffen nieder! – Friedensbewegungen im Umfeld des 1. Weltkrieges“ stattfindet . Da die Tagung in diesem Jahr in Lübeck stattfindet, erhoffen wir uns auch viele Tagesgäste aus Lübeck.


Wir wollen uns mit Friedensbewegungen vor, während und nach dem 1. Weltkrieg auseinandersetzen. Es wird über Menschen referiert werden wie Bertha von Suttner, Alfred H. Fried und Clara Zetkin, die sich in besonderem Maße für den Frieden eingesetzt haben. Auch über den Friedenskongress in Den Haag 1915, der von Frauen wie Lida Gustava Heymann und Anita Augspurg mit initiiert wurde, soll berichtet und diskutiert werden. Als Abschlussreferat wird über Friedensbewegungen heute die Verknüpfung mit der Gegenwart hergestellt.


Die Verbindung zur Gegenwart halten wir für besonders wichtig, da die Welt in der jetzigen Zeit von Spannungen, Konflikten und Kriegen bedroht ist. Umso wichtiger ist es, Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren.

Während der Tagung werden wir uns an einem Nachmittag bei einer Stadtführung auf die Spuren Erich Mühsams in Lübeck begeben, die sicher nicht nur, aber besonders für auswärtige Besucher interessant sein wird. Die Führung endet im
Buddenbrookhaus. Das Lübecker Museum wird erweitert und umgebaut. Unsere Geschäftsstelle befindet sich hier und wir bekommen große Unterstützung für unsere Arbeit. Erich Mühsam wird in der neuen Ausstellung einen festen Platz bekommen. Im Planungsgremium waren im Dezember 2017 drei Experten eingeladen, und zwar für Thomas Mann, Heinrich Mann und Erich Mühsam. Sie haben gemeinsam mit der Leitung des Buddenbrookhauses ein erstes Konzept für die neue Dauerausstellung erarbeitet. Die Leiterin Dr. Birte Lipinski wird den TeilnehmerInnen der Tagung einen Einblick in die Planungen, insbesondere in Bezug auf Erich Mühsam geben.

Die Tagung wird sicher sehr interessant werden und wir bitten um baldige Anmeldung mit dem Anmeldebogen (PDF-Datei).

Während der Tagung findet auch die Jahresmitgliederversammlung 2018 mit Vorstandswahlen statt. Da Mitglieder des jetzigen Vorstands ausscheiden, hoffen wir auf eine hohe Bereitschaft für den Vorstand zu kandidieren. Es wäre zu begrüßen, wenn möglichst viele Bewerbungen und auch Vorschläge für den Vorstand bis 3 Wochen vor Tagungsbeginn per Email oder Post mitgeteilt würden.  




Programm der Tagung der Erich-Mühsam-Gesellschaft vom

31.8.-2.9.2018 im Theodor-Schwartz-Haus in Lübeck/Brodten






Porträt von Erich Mühsam


Dieses Porträt von Erich Mühsam wurde uns freundlicherweise von Wolfram P. Kastner vom Institut für Kunst und Forschung , München für unsere Homepage zur Verfügung gestellt.
Vielen Dank





Zur Information

Jan Bachmann
*1986 in Basel, hat an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin studiert. Mit seinem Kurzfilm "Man müsste
Räuber sein oder zumindest Sprengmeister" wurde er 2015 für den Preis der Deutschen Filmkritik nominiert. 2017
war er mit einem SKK-Atelierstipendium ein halbes Jahr in Ägypten und im April 2017 hat er den Comic-Förderpreis
der Schweizer Städte gewonnen. Gerade arbeitet er an einer Form von Prequel zu "Mühsam". Diesmal geht es um
den Monte Verità im Jahre 1900. Zehn Jahre bevor die Tagebücher des Anarchisten Erich Mühsam
(das Material zu "Mühsam") beginnen. Dieses Projekt "Der Berg der nackten Wahrheiten" wird von der Pro Helvetia
unterstützt.
atelierpeng.ch


Jan Bachmann
MÜHSAM, ANARCHIST IN ANFÜHRUNGSSTRICHEN

ISBN 978-3-03731-172-1
96 Seiten, farbig, 22 x 30, Klappenbroschur
CHF 24.00/EUR 19.80, inkl. Versand

Der junge Lübecker Poet und Anarchist Erich Mühsam (1878-1934) wird im Sommer 1910 von seinen besorgten
Brüdern auf Kur in die Schweiz geschickt. Er findet sich dort in einem bürgerlichen und an seinen Talenten
uninteressierten Umfeld wieder. Das Dichten fällt ihm schwer und sein Werben um eine hübsche Mitpatientin ist
weitgehend erfolglos. Ständig plagen ihn Sexualität und Geldsorgen, während er darauf hofft, dass zumindest
die bei ihm bestellten Chansontexte bezahlt werden.

Graphic Novel Erich Mühsam, der "Anarchist in Anführungsstrichen"

Er war Revolutionär, Bohemien und Poet: Für das Porträt "Anarchist in Anführungsstrichen“ hat der Zeichner
Jan Bachmann drei Monate aus Erich Mühsams Tagebüchern verarbeitet - und zeigt einen höchst widersprüchlichen
Menschen.

"Sollen diese Tagesaufzeichnungen für mich selbst als Erinnerungsstützen Wert haben, so müssen sie ehrlich sein,
die notierten Ereignisse niemals fälschen und für mein gegenwärtiges Erleben wichtige Vorgänge nicht verschweigen.
Die Rücksicht darauf, dass die Notizen einmal publiziert werden könnten, darf nichts entscheiden." Das schreibt
Erich Mühsam 1910 in seinem Tagebuch über das Tagebuch-Schreiben. Und ihm ist es ernst damit: Schamlos
ehrlich berichtet er über sein Leben als Schriftsteller, Bohemien und Anarchist. Zumindest so ehrlich, dass er
Selbstzweifel so wenig auslässt wie die ihm eigene Selbstüberschätzung, die ständige Geldknappheit so wenig
wie seine Unsicherheit gegenüber Frauen.

Bohemien und öffentliche Figur
Seit 2011 veröffentlicht der Verbrecher Verlag sukzessive die kompletten Tagebücher Erich Mühsams, die die
Jahre 1910 bis 1924 umfassen. Der Schweizer Comic-Zeichner Jan Bachmann hat nun aus den ersten drei Monaten
des ersten Bandes von 1910 die Graphic Novel "Mühsam: Anarchist in Anführungsstrichen" gemacht. Für ihn ist
Mühsam der ideale Comic-Held, denn, so Bachmann: "Mühsam war schon damals ein Freak, würde man heute
sagen. Er hat sich ganz schräg gekleidet. Wirklich schräg, lange Haare, dieser Blick, diese Brille. Er ist viel
aufgetreten, hat viele Reden geschwungen, Gedichte rezitiert. Er war wirklich eine öffentliche Figur, die sich
sehr stark inszeniert hat."



Uns begegnet ein Mühsam mit überlanger, spitzer Nase, mit krausem Haar und dichtem Rauschebart, gezeichnet
in satten Farben und mit krakeligen Linien. Expressionistische Bilder, ganz verpflichtet dem künstlerischen Zeitgeist
des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Für die Story übernimmt Bachmann ausgewählte Tagebucheinträge Wort für
Wort, entwickelt Szenen daraus, erfindet Dialoge dazu. Und weil die Story 1910 spielt, lernen wir nicht den Mühsam
kennen, der die Revolution von 1918 mit anführt, sondern den 32-jährige Poeten und Bohemien, der noch von der
Revolution träumt. Der kaum Bücher verkauft – und trotzdem überzeugt ist von sich selbst: "Natürlich lehnt mein
Verleger die Herausgabe meiner Moritate [sic!] ab", lautet einTagebucheintrag. "Ich glaube, ich kann das Buch auf
das Massengrab meiner übrigen Pläne werfen. Als ob ich geradezu mit dem linken Fuße aus dem Mutterleib gestiegen
wäre. Denn am Ende habe ich doch alles; Talent, Fleiß, Intelligenz und bin ein leidlich netter Mensch."

Ein Anarchist auf Kur
Obwohl nur ein Ausschnitt von knapp drei Monaten aus Mühsams Leben gezeigt wird, bekommt man ein sehr gutes
Bild von ihm. Mühsam ist auf Kur in Château d’Oex in der Schweiz, nachdem er zu Unrecht im Gefängnis saß, flieht
von dort zu seinem Liebhaber Johannes Nohl und geht später nach München. Er schreibt Gedichte und Artikel für
linke Zeitschriften – und schnulzige Chansons, um über die Runden zu kommen. Er ahnt den kommenden Krieg voraus,
stellt sich gegen den Militarismus der Zeit. Er bezeichnet sich als Anarchist, kritisiert die Sozialdemokraten für ihre
Kompromisse – und pumpt sich immer wieder Geld von den Verwandten. Er verachtet das Bürgertum – und sucht
doch dessen Anerkennung.

Genau diese Widersprüche findet Autor Jan Bachmann spannend: "Er hat in der Zeit versucht, das Proletariat zu
agitieren, und hat die mit Freibier zu seinen Veranstaltungen gelockt. Er hat also die Hoffnung, da irgendetwas
bewirken zu können und war darin noch relativ erfolglos zu dieser Zeit. Und auf der anderen Seite fühlt er sich als
total unterschätzter Poet. Er hat eine große Ambition, in der bürgerlichen Welt zu reüssieren und das funktioniert
auch überhaupt nicht. Und das finde ich interessant, dieses Hin und Her zwischen bürgerlicher Anerkennung und
einer Revolution, die er möchte."

Themen, die noch immer aktuell sind
Die Revolution wird später kommen – und Mühsam ein Teil von ihr sein. Ein noch größerer und wichtigerer Teil wird
er von der Münchner Bohème sein. Auch davon ist im Buch noch kaum etwas zu spüren, schlicht, weil das
Geschehen nur zum kleinsten Teil in München stattfindet. "Mühsam: Anarchist in Anführungsstrichen" ist eine
ausgesprochen kurzweilige Graphic Novel, die einen schmunzeln und nachdenken lässt über Themen, die auch
heute noch aktuell sind: Über das Leben im Prekariat genauso wie über eine schleichende Aufrüstung und
eine zunehmend konfrontative Welt. Eine Stimme wie die Erich Mühsams, das wird klar, wäre auch heute wichtig.
"Erich Mühsam: Anarchist in Anführungsstrichen" von Jan Bachmann ist in der Edition Moderne erschienen.




















FÜHRUNGEN & SPAZIERGÄNGE in Lübeck auf den Spuren Erich Mühsams, VORTRÄGE jwgoette@gmx.de  
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